Wie die AG Teutonia das „Hildesheimer Debüt“ in St. Jakobi erlebte
Ist es möglich, einen unterhaltsamen Roman zu schreiben, der sich hauptsächlich um Versicherungen dreht?
Dass ein solches Projekt tatsächlich gelingen kann, bewies Kathrin Bach am 27.05.2026, als sie im Literaturhaus St. Jakobi aus ihrem Debütroman „Lebensversicherung“ las. Schon der Innenraum des Literaturhauses bot außergewöhnliche Perspektiven: Passend zum Thema „Freischwimmen“ gibt es dort zurzeit neben einer Strandbar sogar einen Sprungturm und ein Bademeisterhäuschen.
Die Intendantin Nina Göldner begrüßte das gespannte Publikum. Im Gespräch mit Jelena Kern, ebenfalls Absolventin des Hildesheimer Literaturinstituts und zudem Mitglied des KRITTER Kollektivs, erzählte Kathrin Bach zunächst, wie ihr Werdegang zur Autorin verlief. Aus Liebe zum Schreiben studierte sie Kulturwissenschaften und Literarisches Schreiben in Hildesheim. Darüber hinaus absolvierte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin in Berlin und ein Volontariat in einer Literaturagentur. Lange schrieb sie ausschließlich Lyrik, bis sie mit „Lebensversicherung“ (2025) ein Prosawerk wagte – mit Erfolg, denn der Roman gelangte auf Anhieb auf die Longlist des Deutschen Buchpreises!
Die Ich-Erzählerin des Romans wächst in den 1990er-Jahren in einem hessischen Dorf auf, wo ihre Eltern ein Versicherungsbüro leiten. In diesem speziellen Setting wird die „German Angst“ spürbar, die auch die vielen Versicherungskäufe im Dorf erklärt. Deshalb fungiert der Roman ebenso als eine Art Milieustudie des westdeutschen Mittelstands der damaligen Zeit.
Am meisten faszinierte uns jedoch das experimentelle Konzept des Romans: Er ist weder in herkömmliche Kapitel gegliedert noch wird die Geschichte chronologisch erzählt. Ganz unterschiedliche Fragmente, zum Teil sogar Listen, Piktogramme oder Versicherungstexte, fügen sich langsam zu einem Gesamtbild zusammen. Auf diese Idee verfiel Kathrin Bach, als sie darüber nachdachte, ob man ein Leben aufs Wesentliche reduziert und entlang von Versicherungen erzählen könne. Wichtig sei ihr dabei das Spielen mit dem Text, d. h. das ständig neue Anordnen der verschiedenen Abschnitte, betonte sie. Durch die lockere Atmosphäre ermutigt, stellten wir weitere Fragen und kamen mit der Autorin ins Gespräch.
Am Ende waren wir uns einig, dass das Literaturhaus St. Jakobi die hohen Erwartungen, die sein Banner an der Fassade weckt, erfüllte: „Hier ist der Ort, an dem Dir Deine Lieblingsbücher vorgelesen werden. Auch die, die Du noch nicht kennst.“
Emilie Arndt (9b)


