Latinitas in motu 2024/25

Eine Reise durch Vergils Aeneis und die römische Welt

Im Schuljahr 2024/25 durfte unsere Gruppe „Latinitas in motu“ erneut eine spannende und bereichernde Reise in die Welt der lateinischen Sprache und römischen Kultur unternehmen. Wir, die wir zur Hälfte noch im Berufsleben stehen, treffen uns dienstags alle 14 Tage um 19.00 Uhr, um gemeinsam lateinische Texte zu übersetzen und zu vertiefen. Betreut wird die Gruppe von Frau Czimmek und Herrn Hosemann.

In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf Vergils „Aeneis“, dem römischen Nationalepos. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauchten tief in faszinierende Szenen des Epos ein, angefangen beim dramatischen, von der Göttin Juno ausgelösten Seesturm. Dieser verschlägt Aeneas und seine Gefährten, die auf der Fahrt aus dem zerstörten Troja nach dem vom Fatum verheißenen Italien sind, an die Küste Afrikas. Diese Passage bot eine lebendige Gelegenheit, die Ausdrucksfähigkeit der lateinischen Sprache zu erleben und die epische Erzählweise Vergils zu erfassen.

Ein weiterer wichtiger Abschnitt war der Aufenthalt der Trojaner im entstehenden Karthago, in dem die tragische Figur Dido eine zentrale Rolle spielt. Die Gruppe beschäftigte sich intensiv mit der emotionalen Tragik des Todes der Dido und den Folgen für die Handlung und die Geschichte der Römer. Im Rahmen des Vorausblicks auf die Geschichte der Römer, der sogenannten „Römerschau“, die Aeneas bei einem Besuch in der Unterwelt durch seinen Vater Anchises vermittelt wird, wurden zudem die kulturellen und historischen Hintergründe römischer Geschichte beleuchtet, wobei die „Romidee“ und die Gründungsgeschichte Roms im Mittelpunkt standen.

Die besondere sprachliche Gestaltung der Landung der Trojaner an der Tibermündung zeigt deutlich, wie Vergil die kommende Literatur maßgeblich beeinflusst.

Ebenso haben wir die Prophezeiung der Größe Roms eingehend betrachtet, um die Bedeutung und den Mythos um das römische Volk zu verstehen. Ergänzend dazu wurde die Ara Pacis, der Altar des Friedens, vorgestellt, der für das sogenannte goldene Zeitalter unter Augustus steht. Dazu kam auch die Beschäftigung mit Augustus, dem ersten römischen Kaiser, dessen Herrschaft und Einfluss die römische Welt maßgeblich prägten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten so die politischen und kulturellen Entwicklungen Roms nachvollziehen und schätzen lernen. Nicht übergangen wurde die Kritik daran, wie bei Vergil und an der Ara Pacis die positiven Begleiterscheinungen der Pax Romana für die Bewohner des Römischen Reiches hervorgehoben wurden: der materielle Wohlstand mit moralischer Komponente und kultureller Blüte in einem goldenen Zeitalter. Auch wenn diese aus der damaligen Situation nach einem blutigen Bürgerkrieg als Wunsch völlig verständlich ist, kann man im Nachhinein die Kritik an dieser Betrachtungsweise, die auch schon von römischen Autoren geäußert wurde, als teilweise einseitig und beschönigend durchaus nachvollziehen.

Insgesamt war das Jahr 2024/25 für „Latinitas in motu“ eine bereichernde Erfahrung, bei der nicht nur die lateinische Sprache vertieft wurde, sondern auch das Verständnis für die faszinierende Geschichte und Kultur Roms.
Dazu gehörte auch unser Ausflug nach Berlin zu der Ausstellung „Göttinnen und Gattinnen. Frauen im antiken Mythos“, den wir mit einer Bootsfahrt auf der Spree entspannt ausklingen ließen.

Wir blicken erwartungsvoll auf weitere gemeinsame Entdeckungen im kommenden Jahr! Als Themen sind angedacht: Caesars Bericht über Gallier und Germanen und Ciceros Schrift „De amicitia“.

Die Sitzungen finden auch im neuen Schuljahr 14täglich dienstags im Schulgebäude am Domhof 7 in Raum E06 statt. Neue Mitglieder sind in unserer Gruppe herzlich willkommen. Auskunft erteilt Frau Dr. Barbara Berndt unter: barbara.berndt(ät)htp-tel.de

Roswitha Czimmek

Die Gruppe „Latinitas in motu“ im Alten Museum Berlin

Aeneas auf der Flucht aus Troja (Bernini, Villa Borghese, Rom)

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